INSTITUT
FÜR SUPERVISION
INSTITUTIONSBERATUNG
UND SOZIALFORSCHUNG

FRANKURT

ISIS Institut gegr. 1982

Das Institut sieht seine Arbeit in der Tradition grundlegender sozialwissenschaftlicher Untersuchungen des 20. Jahrhunderts. Einzelergebnisse, einzelne Erkenntnisse ebenso wie weitere Überblicke, Enqueten, Surveys und darauf bezogene umfassende Konzepte sind Wissenschaft in der Tradition der Aufklärung. Insbesondere die sozialwissenschaftlichen Arbeiten von Weber, Freud, Parsons, Elias, Gadamer, Habermas, Luhmann, Oevermann und Sen bilden unseren konzeptionellen Hintergrund.

Ihnen ist eine aufklärerische und damit zivilisatorische Grundtendenz gemeinsam. Danach kann die Entwicklung von Gesellschaften und Kulturen in der Perspektive eines zivilisatorischen und Erkenntnisfortschritts analysiert werden, auch wenn es zeitweise zu Rückschritten, geistigen und kulturellen Regressionen, kommt. Das Spannungsverhältnis zwischen Fortschritt und Rückschritt, Zivilisation und Barbarei, Modernität und Vormoderne begründet immer wieder Neugier und Erkenntnisinteresse.

Programm >

Die Eindrücke und Einsichten des Alltags sind oft oberflächlich, einseitig, interessegebunden oder auch ideologisch verzerrt. Es bedarf wissenschaftlicher Techniken und Methoden, um zu begründeten und gültigen Erkenntnissen über soziale Sachverhalte und Entwicklungen zu gelangen.

Aus dem Spektrum der geeigneten und anerkannten Methoden bevorzugen wir einerseits fall- und strukturrekonstruktive hermeneutisch-interpretative Techniken, die den Vorteil haben, latente Funktionen und Dynamiken aufdecken zu können, und Gesamtüberblicke, in denen Einzelergebnisse zu Indikatoren und Indizes verallgemeinert werden.

Auf dieser konzeptionellen Grundlage haben sich die Forschungsfelder und Projekte des Instituts entwickelt. Der Zusammenhang wird bei den Arbeitsfeldern und einzelnen Projekten deutlich. Hier sollen allererst gewisse inhaltliche Zusammenhänge und die Perspektive auf die weiteren Arbeiten des Instituts vorgestellt werden.

Es ist offenkundig, dass wissenschaftliches Arbeiten im modernen Sinne der Ausdifferenzierung von Wissenschaft in einer modernen funktional differenzierten Gesellschaft mit demokratischer Verfassung, Öffentlichkeit, Markt, Rechtstaat und Gewaltenteilung zu verdanken ist. Das Fehlen auch nur eines dieser konstitutiven Elemente macht Wissenschaft im Sinne einer Freiheit von Forschung und Lehre unmöglich, wie die Erfahrungen mit ideologischem und religiösem Totalitarismus trotz 200 Jahren Aufklärung gezeigt haben und immer noch zeigen. Das hatte und hat auch Konsequenzen für die Forschungstätigkeit und Projekte des Instituts.

Schon die Projekte zu Gesundheit in einem im Sinne der WHO mehrdimensionalen Verständnis seelischen, körperlichen und sozialen Wohlbefindens beinhalten eine Perspektive auf zivilisatorischen Fortschritt, der trotz aller Entwicklungen weltweit selbst in Europa vielerorts noch kaum eingelöst ist. Immerhin verbessern sich trotz Bevölkerungswachstums für breite Kreise gesundheitliche und allgemeine Lebensverhältnisse, wie zahlreiche Indizes (z. B. HDI, Mothers Index u.a.m.) zeigen. Soziale und kulturelle Kontexte sind für Gesundheit konstitutiv und fördern oder beeinträchtigen sie erheblich. Interkulturelle oder Ethno-Medizin und –Psychiatrie haben hierauf hingewiesen.

Solche kulturellen Einflüsse haben ihre Basis in der Lebenspraxis, in Regeln, Normen, Werten und Weltbildern der jeweiligen Kultur bzw. des jeweiligen Kulturkreises. Nationale, ethnische und subkulturelle Besonderheiten kommen hinzu. All dies sind relevante Arbeitsbereiche für ein sozialwissenschaftliches Forschungsinstitut mit unserem Verständnis von Aufklärung und Zivilisation.

Die Brücke zum einzelnen Menschen, zum Individuum oder zu den Individuen, bilden Begriff und Verständnis von Identität. Identität ist sozusagen die kulturspezifische Ausformung des Einzelnen und seiner erlebten Subjektivität. Identität ist Effekt von Kultur, d. h. von Struktur, und Geschichte, d. h. von Entwicklung. Deshalb haben entlang der zivilisatorischen Linie von Gesundheit über Subjektivität, Generativität und Kreativität bis hin zu Kultur und Kunst in der Arbeit des Instituts Kulturkreise und „Kulturen“ stets eine wichtige Rolle gespielt.

Dafür werden von uns sehr verschiedenartige, möglichst im individuellen Verlauf auswertbare Daten erhoben und ausgewertet: Interviews, Gruppendiskussionen, Berichte und Beschreibungen, aber auch schon vorhandene Texte, prozessproduzierte Verlaufsdaten und andere Materialien, natürlich auch Kunstwerke und schließlich auch und gerne Indizes zu kulturellen Indikatoren, die bestimmte Qualitäten einzelner, in der Regel nationaler, regionaler oder städtischer Kulturen vergleichend erfassen und zusammenstellen.

Das Institut verfolgt hierbei bestimmte eigene Forschungsstrategien, wie aus den Forschungsschwerpunkten und seiner Geschichte zu ersehen ist. Es stellt aber auch gerne seine forschungspraktischen Kompetenzen anderen zur Verfügung, die sie für bestimmte eigene Projekte nutzen möchten. Und umgekehrt kann es auf andere Forschergruppen zurückgreifen, wenn ein komplexeres Projekt eine solche Zusammenarbeit zweckmäßig erscheinen lässt. Die Zusammenarbeit mit Universitäten war hier immer hilfreich, sei es zur Gewinnung von Mitarbeitern, und sei es zur Diskussion von Hypothesen und Forschungsergebnissen.

Der Name des Instituts verweist auf einen weiteren wichtigen Bereich seines Selbstverständnisses und seiner Aktivitäten: den der Supervision und Institutionsberatung. Das Institut sieht sich in der Tradition der auf Kurt Lewin zurückgehenden Aktionsforschung, die Ergebnisse hervorbringt, die valide und stimmig sind und diese bei Interesse an das Forschungsfeld zurückmeldet. Diese Rückmeldung der Forschungsergebnisse (oder auch, gebündelt, Evaluationen oder Diagnosen) kann sehr unterschiedliche Formen annehmen, wie aus den entsprechenden Verfahren der Politik- und Organisationsberatung, der Organisations- und Personalentwicklung, des Coachings und der Supervision bekannt ist. Hier verfügen die Mitarbeiter über vielfältige Erfahrungen, gleichermaßen in konkreten Einsätzen mit diesen Verfahren und Techniken wie auch in der Konzeption und Realisierung von hierauf gerichteten Fortbildungs- und Trainingsprogrammen.

Geschichte >

Das ISIS wurde 1982 gegründet und 1983 als gemeinnütziger Verein beim Ortsgericht Frankfurt am Main eingetragen. Die Forschung des ISIS konnte in der dreißigjährigen Institutsgeschichte mit ihren Pilot-Projekten und Konzepten drei Sonderforschungsbereiche der deutschen Forschungsgemeinschaft und weitere Forschungsverbündete befruchten. Es handelt sich um die DFG-Sonderforschungsbereiche 3 (Mikroanalytische Grundlagen der Gesellschaftspolitik, Frankfurt und Mannheim), 186 (Statuspassagen und Risiko lagen im Lebensverlauf: Individuelle Handlungsstrategien und institutionelle Steuerung, Bremen) und 580 (Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch, Halle und Jena). Darüber hinaus gingen die Pilot-Forschungen des ISIS ein in die Forschungsverbünde des Bundesministeriums für Bildung und Forschung "demografischer Wandel und Zukunft der Arbeit", "innovative Arbeitsgestaltung", in zwei Rehabilitationsforschungsverbünde in Baden-Württemberg und Thüringen/Sachsen-Anhalt, in den Pflegeforschungsverbund "Evidenzbasierte Pflege chronisch Kranker und Pflegebedürftiger ", in das Zentrum für Sozialpolitik, Bremen, in das German Center for Evidence-based Nursing „Sapere Aude“ und in das nationale Zentrum Frühe Hilfen bei der Bundesregierung Deutschland. Das ISIS hat wesentlich mitgewirkt bei Forschungsprojekten zur Gesundheitsförderung für die und mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln und zur Kultur- und Sprachvermittlung mit dem Goethe-Institut. Die Forschungsarbeit des ISIS fand auch Eingang in die Neustrukturierung der psychotherapeutischen und psychiatrischen Versorgung der Standardversorgungsgebiete der Stadt Frankfurt im Wege einer mehrjährigen Begleitforschung und Beratung. Ebenso kontinuierlich wurden Supervisions-, Organisations- und Teamentwicklungprozesse in Institutionen des Kultur-, Gesundheits- und Bildungswesens sowie der Sozial- und Kommunalpolitik und die entsprechenden Interventionsmöglichkeiten untersucht.

Methodische und konzeptionelle Grundlagen hierfür wurden bereits in den ersten ISIS-Projekten nach 1982 gelegt. So nutzte das ISIS die zu dieser Zeit gerade entstehenden Möglichkeiten individueller Text-und Verlaufsprotokolle zur Integration statistischer Analysen prozessproduzierter Daten in hermeneutisch-interpretative oder objektiv-hermeneutische Verlaufsanalysen. Zuerst an Rehabilitations- und epidemiologischen Verläufen entwickelt, erlaubten diese Verfahren die Analyse ausdifferenzierter, jeweils auf ihre Zuständigkeit spezialisierter Institutionen, die auf Lebensläufe einwirken und Kosten externalisieren. Diese Verfahren ermöglichten auch einen neuen Zugang zur systemische Organisationsentwicklung, der durch die Kooperation mit der Klinik für psychosomatische und Familientherapie in Heidelberg, dem Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt, dem Center for Group Dynamics in Ann Arbor und dem Balint-Zentrum in Ascona vorbereitet war. In alle eben genannten Verbundforschungen gingen diese methodischen Entwicklungen ein. Ein vergleichbarer und ergänzender methodischer Zugang wurde aus der Rezeption und Nutzung von Methoden und Techniken psychoanalytisch orientierter Sozial- und Kulturforschung entwickelt. Naturalistische und prozessproduzierte Daten in Form von Texten oder textförmigen Protokollen werden auch hier hermeneutisch-interpretativ auf latente oder Tiefenstrukturen hin ausgewertet. Für Forschungsarbeiten an und mit Gruppen und Organisationen wurde hier mit „European Psychodynamic Organizational Consulting“ (EPOC) sowie mit der International Society for the Psychoanalysis of Organizations (ISPSO) kooperiert. Mit EPOC wurde in Vorbereitung der Europa-Studien des Instituts am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt eine Tagung zum Thema „European Identity and European Leadership Styles“ durchgeführt.

Die ISIS-Projekte zum demografischen Wandel, zur Gesundheitsförderung und zur Institutionsanalyse erweiterten diese Verfahren auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und legten eine Grundlage für die methodische Selbstreflexion der Therapie-, Pflege-, Gesundheits-, Sozial-und Kulturwissenschaften auf ihre angemessenes soziales Handeln ermöglichenden – Wirkungsevidenz.

Ausgewählte Forschungsprojekte und ihre Veröffentlichungen finden sich unter Öffentlichkeit - Publikationen.



Projektleitung, Forschung, Beratung >

Prof. Dr. phil. (habil) Johann Behrens >

CV in Forschung und Lehre

Forschungsprofessor am Deutschen Institut für Wirtschaftswissenschaften (DIW) Berlin, seit 2013
Direktorium Internationale Graduiertenakademie Halle (InGrA), „Partizipation als Ziel von Pflege und Therapie“ seit 2010
Ehrenprof. Im West-Balkan
Gründungsdirektor des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenshaften der Medizinischen Fakultät, Universität Halle-Wittenberg seit 1998
DFG-Sonderforschungsbereich 580 „Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch“ seit 2004, Halle-Jena (Sprecher des Bereichs „Sozialer Sektor“, Vorstand, Projektleiter)
Pflegeforschungsverbund „Evidencebasierte Pflege chronisch Kranker und Pflegebedürftiger in kommunikativ schwierigen Situationen“, gewählter Sprecher seit 2003
DFG-Sonderfoschungsbereich 186 „Statuspassagen und Risikolagen im Lebensverlauf“ 1988-2000 Bremen (Gründungsantrag, Projektleiter)
Prof. und Prodekan des Fachbereichs Pflege und Gesundheit der FH Fulda 1994-1998
Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) Universität Bremen 1987 ff (Gründungsantrag, Projektleiter)
DFG-Sonderforschungsbereich 3 „Mikroanalytische Grundlagen der Gesellschaftpolitik“ Frankfurt-Mannheim 1979-1985
Visiting Prof UofM, Ann Arbor (1981,1982), und McMaster-Uni, Hamilton (seit 1994 in regelmäßigen Abständen)
Gründungsvorstand Institut für Supervision, Institutionsberatung und Sozialforschung (ISIS e.V.) seit 1982
Lehrbeauftragter und wM am Institut für Sozialforschung und den Fachbereichen für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften Frankfurt a. M. (1978-1987)

Beratung, Coaching

Fortgebildet und visiting professor am Center for Group Dynamics und am ICPSR, UofM, Ann Arbor 1981 - 1982
Balint Center Monte Veritá, Ascona, Schweiz 1983 ff.
Senior Chief Consultant (Organisationsentwicklung, Teambuilding, Logistik) Paris und Basel, 1984 – 1991
Danach Eigene Praxis Ordentliches Mitglied der Deutschen Gesellschaft für systemische und Familientherapie (DGSF)
Gründungsvorstand des German Centers for Evidence based Nursing „sapere aude“, des ersten Zentrums auf dem europäischem Festland im internationalen Netzwerk dieser Zentren 1998 ff.
Lehrbeauftragter am Frankfurter Psychoanalytischem Institut
Visiting Prof, McMaster Uni und Klinik , Kanada, 1991, 1995, 2000, 2001, 2014




Prof. Dr. phil. (habil) Michael Wolf >

CV

Privatdozent für Soziologie am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin seit 1989
Professor für Psychologie, Beratung und Gesundheitsförderung an der Hochschule Fulda seit 1993
Universitätsklinik Frankfurt, Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatik 1988 bis 1993
Städtischen Kliniken Offenbach, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, 1983 bis 1988
Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt 1979 bis 1980
Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin 1977 bis 1983

FORSCHUNG UND LEHRE

Kommunikation, Kommunikationsstörung und Kommunikationstraining
Führungsstile und Kulturen
Kulturvergleich und Geschichte Ost (China) und West (Europa/ USA)
Dynamik von Krisen und Konflikten in Politik und Krieg
Coaching, Supervision, Team- und Organisationsentwicklung
Veranstaltungen, Vorträge und Publikationen zu diesen Themen

BERATUNG

Coach, Berater, Supervisor und Psychoanalytiker in eigener Praxis in Frankfurt am Main
Ausgebildet in:
  • Organisationsberatung bei EPOC (European Psychodynamic Organizational Consulting) 1995-1996,
  • Balint-Gruppen-Technik an der Universitätsklinik Frankfurt, Zentrum der Psychiatrie, 1991-1993 und
  • Psychoanalyse am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt 1985 bis 1990

Ausbilder, Lehrer und Trainer in Psychoanalyse und Psychotherapie (Frankfurter psychoanalytisches Institut) und Psychodynamic Psychotherapy (Shanghai Mental Health Center)

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